Hintergrund: Hoher Ölpreis verhindert nicht den Anstieg des Verbrauchs
Hierfür war in erster Linie die robuste Konjunktur in vielen Regionen der Welt verantwortlich, allen voran in Asien. Nicht nur in China, sondern auch in Indien und einigen anderen Staaten der östlichen Hemisphäre stellte Öl wieder einmal seine Rolle als flexibelster Energieträger unter Beweis. Der Bedarf konnte überall auf der Welt gedeckt werden. Die Preishöhe war allerdings nicht nur durch die reale Nachfrage beeinflusst, sondern auch durch die Finanzmärkte, die vielfache Mengen des tatsächlich vorhandenen Öls an "Papiermärkten" handeln und versuchen, an Preisunterschieden zu verdienen.
In den vergangenen fünf Jahren sind die Erdölreserven um fast ein Viertel gestiegen. Zu den sicher bestätigten Reserven zählen nur die durch Bohrungen bestätigten und mit heutiger Technik wirtschaftlich gewinnbaren Ölvorkommen. Diese einschränkende Definition umfasst nur einen kleinen Teil der tatsächlich vorhandenen Vorräte.
Nachdem im Vorjahr ein Zuwachs bei den Reserven von 4,4 Prozent zu verzeichnen war, verlangsamte sich dieser Anstieg jetzt auf 0,9 Prozent, entsprechend einem Endbestand von 173,3 Milliarden Tonnen. Der Zuwachs von über 1600 Millionen Tonnen ist damit weit mehr als zehnmal so groß wie der Anstieg der Förderung.
Dieser Reservenanstieg ist das Ergebnis unterschiedlicher Entwicklungen in der Welt. Während in Europa, Nordamerika und Asien die Reserven schrumpften, legten sie besonders in Afrika mit 15,9 Prozent kräftig zu. Im Nahen Osten und in Südamerika stiegen sie leicht an.
Die Weltölförderung stieg um 124 Millionen Tonnen auf 3821 Millionen Tonnen an und blieb mit 3,3 Prozent unter dem Vorjahreszuwachs, der vier Prozent betragen hatte. Die Förderung sank in Europa und Nordamerika, in Süd- und Ostasien veränderte sie sich im Saldo nicht. In den übrigen Regionen wuchs die Ölproduktion zum Teil erheblich. Im Nahen Osten stieg sie um fast 70 Millionen Tonnen, entsprechend 6,2 Prozent, woran die um mehr als die Hälfte erhöhte Förderung im Irak einen wesentlichen Anteil hatte.
Afrika verdankt seinen Anstieg von 7,7 Prozent auf 429 Millionen Tonnen unter anderem der verstärkten Förderung in Nigeria und Libyen. Zahlreiche Explorations- und Produktionsvorhaben unterstreichen die zunehmende Bedeutung dieses Kontinents als Öllieferant.
Die Raffineriekapazität ist um 0,4 Prozent auf 4119 Millionen Tonnen gestiegen. Dies ist das Ergebnis gegenläufiger Entwicklungen in den einzelnen Regionen. Während sie in Südamerika um 1,8 Prozent auf 413 Millionen Tonnen sank, erreichte der Rückgang in der GUS vier Prozent (minus 17 Millionen Tonnen). Den Ausschlag dafür gaben Stilllegungen überflüssiger oder unrentabler Raffineriekapazitäten in der Russischen Föderation und Kasachstan. In Europa, Nordamerika und insbesondere in Asien stiegen die Kapazitäten, wobei Asien der Spitzenreiter war.
Mit einem Zuwachs von über 30 Millionen Tonnen lag die Raffineriekapazität hier über drei Prozent höher als im Vorjahr. Der Zuwachs an Kapazitäten spiegelt die erhöhte Nachfrage nach Produkten mit regional unterschiedlichen Spezifikationen wider. Der amerikanische Markt bot zum Beispiel seit Jahren wenig wirtschaftlichen Anreiz für Raffinerieneubauten, stellt aber andererseits durch Umweltvorschriften hohe Anforderungen an unterschiedliche Produktqualitäten. Allein beim Motorenkraftstoff gibt es in den USA 17 unterschiedliche Spezifikationen.
Durch diese Faktoren entstand ein starker Importsog auf Europa, der nicht nur zu einer gesteigerten Auslastung der europäischen Raffinerien führte, sondern auch zur Kapazitätserhöhung durch das Beseitigen von Engpässen.
Der weltweite Ölverbrauch stieg um 3,2 Prozent auf 3780 Millionen Tonnen. Der Zuwachs war im Nahen Osten mit 5,7 Prozent am stärksten, gefolgt von Asien mit 5,2 Prozent und der GUS mit 4,9 Prozent. In Europa stieg der Verbrauch nur um ein Prozent, wobei reife Volkswirtschaften auch Verbrauchsrückgänge verzeichneten, zum Beispiel Deutschland um 1,3 Prozent auf 123,2 Millionen Tonnen.
Nach jahrelangen Zuwächsen der Erdgasreserven gingen diese im Jahr 2004 um 0,6 Prozent auf 170 942 Milliarden Kubikmeter zurück. Wesentlich war dabei der Rückgang der australischen Reserven auf 821 Milliarden Kubikmeter.
Die Erdgasförderung erhöhte sich weltweit um 1,1 Prozent auf 2.690 Milliarden Kubikmeter. Nur in den USA gab es einen Rückgang. Der weltweit um 1,6 Prozent erhöhte Verbrauch entsprach mit 2.689 Milliarden genau der Förderung. In Deutschland ging die Produktion vom heimischen Erdgas um 2,4 Prozent zurück, was unter anderem witterungsbedingt war. Die heimische Förderung deckt aber immerhin 19 Prozent des deutschen Erdgasbedarfs. (ar/Sm)
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