Vorstellung Kia Sorento-Facelift: Die Ansprüche wachsen

(ar) - Der koreanische Automobilhersteller Kia stellte jetzt anlässlich des Automobilsalons in Madrid das Facelift seines Sports Utility Vehicles (SUV) Kia Sorento vor. Der bisherige Sorento hatte für die Koreaner, die zum Hyundai-Konzern gehören, in Europa bereits die Wende eingeleitet. Europäisches, gefälliges Design und jüngst auch der Dieselmotor brachten für die vorher häufig belächelte Marke die Wende. Für diesen Kia konnte man sich jetzt auch wegen seiner Eigenschaften und nicht nur wegen seines Preises entscheiden. Auf diesem Weg bewegt sich das Facelift des Sorento konsequent weiter.

"Wir haben jetzt schon die M-Klasse erreicht", meinte ein Kia-Manager aus einem Nachbarland und erntete dafür ein verzeihendes Lächeln der Journalisten. Es reicht eben nicht, das Design so zu variieren, dass der neue Sorento aussieht wie ein kleiner Bruder des Stuttgarter SUV. Dazu gehört immer noch ein bisschen mehr. Allerdings ist es Kia gelungen, den Sorento edler aussehen und klassenloser wirken zu lassen, so dass das Ziel nicht unerreichbar scheint, in den kommenden Jahren in Europa jeweils mehr als 200 000 Kia zu verkaufen.

Unterstützend bei der Erfüllung der Planzahlen wird sicher der Preis des Sorento wirken. Zwar sind die Preise für die Versionen mit dem Sechs-Zylinder-Benziner noch nicht bekannt, die für die Diesel liegen aber schon vor. Der Sorento CRDi LX mit dem Vier-Zylinder-Diesel und Fünf-Gang-Handschalter beginnt bei 29 790 Euro, die edlere Version mit Fünf-Gang-Automatik soll in Deutschland 32 940 Euro kosten. Die Fahrzeuge sollen ab Juli zu haben sein.

Beide Motoren haben an Leistung zugelegt und ihr Verbrauchsverhalten verbessert. Der Sechs-Zylinder-Benziner leistet nun 177 kW (241 PS), also 49 PS mehr, und bietet ein maximales Drehmoment von 307 Newtonmeter (Nm). Sein Durchschnittsverbrauch soll bei 8,6 Liter liegen, was für einen 2,5-Tonner nicht viel wäre. Der Vier-Zylinder-Diesel hat bei der Leistung um 22 kW (30 PS) auf 125 kW (170 PS) und beim Drehmoment um 78 Nm auf 392 Nm zugelegt. Sein Durchschnittsverbrauch soll bei 7,6 Liter liegen. Der Diesel beschleunigt jetzt in 12,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h, der Benziner in 9,2 Sekunden. Der Diesel erreicht 182 km/h Höchstgeschwindigkeit, der Benziner 190 km/h.

Speziell in der EX-Version mit Volllederausstattung wirkt der Innenraum des Sorento edel, und tatsächlich verbreiten die Materialien der Armaturentafel samt der Chromumrandungen für Instrumente und Bedienelemente einen Hauch von Premium. Störend nur, dass man bei den Instrumenten im Blickfeld des Fahrers statt des Chroms billig wirkenden mattsilbernen Kunststoff für die Umrahmung gewählt hat.

Für einen ausgewachsenen Mitteleuropäer wünschte man sich zwar etwas längere Sitzflächen, aber das ist weniger problematisch als die nur mäßige Seitenführung der Sitze. Die hätte man gern, denn bei den Testwagen, die wir jetzt erlebten, war die Federung so weich, dass der Wagen um alle Achsen wankte. Das und die schwammige Lenkung setzten das Vergnügen an höheren Geschwindigkeiten deutlich herab. Aber die Deutschen versicherten, mit dieser Abstimmung werde der Sorento in Deutschland nicht ausgeliefert werden.

Für Passagiere und Ladung bietet der Sorento die klassenüblichen Maße. Trotz des gleich gebliebenen Radstands von 2,71 Metern bleibt wegen anders ausgeformter Lehnen der Vordersitze nun mehr Raum. Die geteilt umlegbare Rückbank führt zu einer ebenen Ladefläche, unter der weiterer Stauraum verborgen ist. Stauraum, Ablageflächen und Cupholder tragen zur Eignung des Sorento als Reisewagen ebenso bei wie seine umfangreiche Ausstattung.

Aber auch seine Geländegängigkeit kann sich sehen lassen. Der Antrieb wird automatisch zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt, ein Sperrdifferenzial kann zusätzlich geordert werden.

Beim europäischen Crashtest EuroNCAP hat es der Sorento auf vier von fünf möglichen Sternen gebracht. Dabei wird allerdings nur die passive Sicherheit geprüft. Da bietet der Sorento außer einer stabilen Fahrgastzelle auch Airbags bis hin zu Curtain-Airbags, die die seitliche Fensterfront komplett abdecken. Die optimale aktive Sicherheit kostet beim LX aber leider Aufpreis. Das Elektronische Stabilitätsprogramm ist erst ab EX serienmäßig verbaut. Selbst angesichts der günstigen Preisstellung des Sorento ist das eine unglückliche Entscheidung für ein Auto dieses Anspruchs.

Aber das darf so nicht bleiben, denn die neue Strategie, die in diesen Tagen für Kia und Hyundai entwickelt wurde, lässt keinen Raum für einen Kia ohne serienmäßiges ESP. Kia soll in dem Konzern zukünftig in Richtung Premium marschieren, Hyundai den Massenmarkt bedienen. Schon beim Pariser Salon im Herbst dieses Jahres soll das bei den neuen Fahrzeugen beider Marken deutlich werden. Auf der Suche nach einem passenden Vergleich aus dem deutschen Automobilmarkt formulierte ein Kia-Manager: Hyundai werde wie Volkswagen und Kia wie Audi in Europa antreten. Auch dieser Vergleich hinkt noch. Aber immerhin hat man schon ein europäisches Designzentrum in Frankfurt und eine europäische Fabrik in Tschechien. (ar/Sm)

Von Peter Schwerdtmann

veröffentlicht am 28. Mai



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